Die Kaumuskelmyositis (Syn. Myositis eosinophilica, Atrophische Myositis, Masticatory Muscle Myositis) ist eine gelegentlich bei Haushunden auftretende Autoimmunerkrankung, die durch eine Entzündung der Kaumuskulatur gekennzeichnet ist. Die Erkrankung führt zu Störungen der Beweglichkeit des Unterkiefers und damit zur Behinderung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Heilungsaussicht gut, bei der chronischen Form dagegen fraglich.
Die Kaumuskelmyositis tritt bei Hunden aller Rassen und Altersklassen auf. Eine Häufung wird für den Deutschen Schäferhund, den Dobermann sowie alle Retrieverrassen beschrieben. Es erkranken bevorzugt Tiere jungen und mittleren Alters. Eine Geschlechtsdisposition scheint nicht zu bestehen.
Die Beschränkung der Erkrankung auf die Kaumuskulatur ist durch deren spezielle Herkunft aus dem ersten Kiemenbogen bedingt. Die Kaumuskeln sind durch einen speziellen Muskelfasertyp, die sogenannten 2M-Muskelfasern gekennzeichnet, die eine besondere Isoform des Myosins aufweisen. Gegen diesen Myosintyp produziert der Organismus aus bislang nicht geklärter Ursache IgG-Antikörper . Im Zuge einer Antigen-Antikörper-Reaktion kommt es zu einer Entzündung mit Einwanderung verschiedener Abwehrzellen (Makrophagen, Lymphozyten und Plasmazellen) und schließlich zum Absterben (Nekrose) und zum Abbau der Muskelzellen. Nach neuesten Untersuchungen könnte die Erkrankung auch eine T-Zell-abhängige Immunerkrankung sein, die zu einer Muskelfaserzerstörung und damit zur Produktion von Autoantikörpern gegen das Myosin führt, denn bei einem Drittel der betroffenen Tiere lassen sich trotz Zellschäden keine Autoantikörper nachweisen . Nach dem VETAMIN-D-Schema ist die Erkrankung also entzündlich bedingt. Im weiteren Verlauf wird das zerstörte Muskelgewebe durch Bindegewebe ersetzt.