Der Rotluchs (Lynx rufus) ist eine Luchsart, deren Verbreitungsgebiet vom südlichen Kanada bis zum Norden Mexikos reicht. Rotluchse sind anpassungsfähig und nutzen so unterschiedliche Lebensräumen wie Wälder, Halbwüsten, die Randzonen von Städten und Sumpfgebiete. Die Art gilt als nicht bedroht.
Zur präferierten Beute des Rotluchses zählen Kaninchen und Hasen. Rotluchse sind jedoch opportunistische Jäger, deren Beutespektrum alle im jeweiligen Lebensraum vorhandenen kleinen und mittelgroßen Säuger und Vögel umfasst. Auch Fische und Insekten werden von ihm gefressen. Wie die meisten Katzenartigen sind Rotluchse territorial und leben überwiegend einzelgängerisch.
Rotluchse sind im Durchschnitt kleiner als die drei anderen Luchsarten Kanadischer Luchs, Eurasischer Luchs und Pardelluchs. Ausgewachsene männliche Rotluchse weisen eine Körperlänge zwischen 70 und 120 Zentimeter auf. Die durchschnittliche Körperlänge beträgt 90 Zentimeter. Auf den kurzen Schwanz entfallen zwischen zehn und achtzehn Zentimeter. Die Schulterhöhe beträgt bei männlichen Tieren zwischen 36 und 38 Zentimeter. und sie wiegen zwischen sieben bis vierzehn Kilogramm. Die größten und schwersten Rotluchse finden sich im nördlichen Teil des Verbreitungsgebietes.
Weibchen sind etwas kleiner als die männlichen Tiere und weisen durchschnittlich ein Gewicht von neun Kilogramm auf. Eine morphologische Studie, die in den östlichen Bundesstaaten der USA durchgeführt wurden, konnte belegen, dass die größten männlichen und weibliche Tiere jeweils in unterschiedlichen Regionen des Verbreitungsgebietes zu finden sind. Dies legt nahe, dass die Selektionskriterien, die die Körpergröße beeinflussen, geschlechtsabhängig unterschiedlich sind.
Jungtiere kommen mit einem Gewicht zwischen 280 und 340 Gramm zur Welt und weisen eine Körperlänge von 25 Zentimeter auf. Am Ende ihres ersten Lebensjahres haben sie normalerweise ein Gewicht von 4,5 Kilogramm erreicht.
Die Fellfarbe der Körperoberseite ist sehr variabel und reicht von blassgelb bis rötlich braun. Tendenziell weisen Rotluchse, die in den Wüstenregionen im Südwesten des Verbreitungsgebietes leben, die hellste Fellfärbung auf. Die im nördlichen Teil des Verbreitungsgebietes vorkommenden Rotluchse sind dagegen am dunkelsten gefärbt.
Die Fleckung des Fells ist individuell verschieden ausgeprägt. Bei einzelnen Individuen kann die Fleckung nahezu vollständig fehlen oder ist auf die Läufe beschränkt. Andere Individuen weisen dagegen auf ihrem Fell deutlich erkennbare, dunkelbraune bis schwarze Punkte und Linien auf, die von der Grundfärbung des Fells besonders deutlich auf den Vorderläufen und am Schwanz abgesetzt ist. In Florida hat man allerdings einige melanistische Rotluchse gesichtet und auch gefangen. Ihr schwarzes Fell ist möglicherweise durch ein besonders dichtes Fleckenmuster verursacht. An Kinn, Brust und Körperunterseite sind die Fellhaare grauweiß bis cremeweiß.
Wie bei den anderen Luchsarten sind auch beim Rotluchs die Hinterläufe deutlich länger als die Vorderläufe. Die dreieckigen Ohren sind auf ihrer oberen Rückseite schwarz gefärbt. Rotluchse haben im Vergleich zum Eurasischen Luchs deutlich kürzere Haarpinsel an den Ohrspitzen. Bei einzelnen Individuen können diese sogar ganz fehlen. Der Kopf wirkt wegen des ausgeprägten Backenbartes rundlich. Die Nase ist an ihrer Vorderseite rötlich, an den Seiten dagegen grau bis braunrot. Die Augenfarbe ist gelblich bis ockerfarben mit schwarzen Pupillen.
Der Durchmesser der Pfotenabdrücke kann zwischen zwei und acht Zentimeter schwanken, die durchschnittliche Rotluchsfährte ist etwa vier Zentimeter breit. Sie ist damit etwa doppelt so groß wie die einer Hauskatze. Die Schrittlänge liegt bei ruhig laufenden Rotluchsen zwischen 20 und 40 Zentimetern und kann bei sprintenden Rotluchsen zwischen einem und 2,4 Meter betragen. Der Abdruck der Hinterpfoten überlappt sich meist mit dem der Vorderpfote.