Über lange Zeit wurde diskutiert, ob Luchse nicht lediglich eine Untergattung der Gattung Felis darstellen. Aus diesen Gründen findet man in der älteren Literatur den Rotluchs gelegentlich als Felis rufus geführt. Heute ist die Einordnung der Luchse in die eigenständige Gattung Lynx akzeptiert und der Rotluchs wird entsprechend als Lynx rufus geführt.
Nach den molekularbiologischen Untersuchungen, die in den 1990er Jahren Stephen J. O’Brien vornahm, lässt sich die Gattung der Luchse stammesgeschichtlich auf eine Großkatzengruppe zurückführen, die sich in einem Zeitraum vor rund 3 bis 7 Millionen Jahren in mehrere Seitenzweige aufteilte. Die stammesgeschichtlich jüngste Aufspaltung ereignete sich vor 2,8 Millionen Jahren, wobei sich aus dem einen Zweig die Großkatzen Nebelparder, Löwe, Tiger, Jaguar, Leopard und Schneeleopard entwickelten. Aus dem anderen Zweig entwickelten sich aus dem im Pliozän rings um die Arktis verbreiteten Urluchs (Lynx issiodorensis) die heutige Gattung der Luchse sowie die Marmorkatze.
Der Rotluchs entwickelte sich aus dem Eurasischen Luchs, der vor etwa 200.000 Jahren Nordamerika über die Beringstraße erreichte. Ein Teil dieser Luchse, die sich im südlichen Teil Nordamerikas etablierten und wurden sehr bald von den nördlichen Populationen durch Gletscher abgeschnitten. Die Luchspopulation entwickelte sich zum heutigen Rotluchs weiter. Von den nördlichen Populationen stammt der heutige Kanadische Luchs ab. Gelegentlich kommt es noch zu Hybriden aus Rotluchs und Kanadischem Luchs.
Aktuell werden bis zu zwölf Unterarten beschreiben:
- L. rufus rufus (Schreber) ist die Nominatform. Ihr Verbreitungsgebiet liegt im Osten und Mittleren Westen der Vereinigten Staaten .
- L. rufus gigas (Bangs) – Das Verbreitungsgebiet dieser Unterart erstreckt sich vom Norden New Yorks bis Nova Scotia und New Brunswick
- L. rufus floridanus (Rafinesque) – Südosten der Vereinigten Staaten bis zum Mississippi-Tal, dem Südwesten von Missouri und dem südlichen Illinois * L. rufus superiorensis (Peterson & Downing) – das Gebiet westlich der Großen Seen inklusive des Nordens von Michigan, Wisconsin, des Südens von Ontario und des überwiegenden Teils von Minnesota.
- L. rufus baileyi (Merriam) – Südwesten der USA und der Nordwesten Mexikos
- L. rufus californicus (Mearns) – Kalifornien westlich der Sierra Nevada
- L. rufus escuinipae (J. A. Allen) – das Inland von Mexiko. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis zur Westküste und dem Süden der Sonora-Wüste
- L. rufus fasciatus (Rafinesque) – Oregon, Washington westlich der Cascade Range, der Nordwesten Kaliforniens und der Südwesten von British Columbia
- L. rufus oaxacensis (Goodwin) – Oaxaco, Mexiko
- L. rufus pallescens (Merriam) – Nordwesten der Vereinigten Staaten sowie der Süden von British Columbia, Alberta und Saskatchewan.
- L. rufus peninsularis (Thomas) – Baja California
- L. rufus texensis (Mearns) – der Westen von Louisiana, das östliche Gebiet von Texas, der Süden von Oklahoma. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Süden bis nach Tamaulipas, Nuevo León und Coahuila, Mexiko
Die Aufteilung in zwölf Unterarten ist umstritten, da die Unterschiede zwischen den einzelnen Unterarten nur gering sind und ihre jeweiligen Verbreitungsgebiete nicht klar voneinander abgegrenzt sind.
Der Rotluchs ist ein wichtiges Jagdwild, der bereits von der indigenen Bevölkerung Nordamerikas bejagt wurde. Ein wesentliches Jagdmotiv ist nach wie vor das Luchsfell. Als in den 1970er und 1980er Jahren die Preise für die Felle stark anstiegen, intensivierte sich entsprechend die Jagd auf den Rotluchs. Mit Beginn der 1990er Jahren kam es jedoch zu einem starken Preiseinbruch, so dass die Jagd auf den Luchs heute kommerziell weit weniger lohnend ist.
Die Jagd auf den Luchs ist in allen drei Staaten, in denen er vorkommt, heute gesetzlich reguliert. Die Jagdsaison fällt in das Winterhalbjahr, so dass sich daraus eine entsprechend verzerrte Sterblichkeitsrate ergibt. Indirekt sind vor allem Jungtiere von der Jagd betroffen, da sie in ihren ersten Lebensmonaten vom Muttertier abhängig sind. Trotz Bejagung sind die Populationszahlen hoch. Das gilt auch für den Süden der Vereinigten Staaten, wo der Rotluchs traditionell sehr stark bejagt wird.
In der Mythologie der indigenen Bevölkerung Nordamerikas wird nicht zwischen Rotluchs und Kanadischem Luchs differenziert. Aus der geographischen Verbreitung der beiden Tierarten ergibt sich jedoch, dass sich die meisten Mythen und Fabeln auf den Rotluchs beziehen.
Die Mohave waren davon überzeugt, dass sich die übernatürlichen Kräfte von Lebewesen oder Objekten auf sie übertragen würden, wenn sie regelmäßig von ihnen träumten. Träume, in denen die beiden Gottheiten Puma und Luchs auftauchten, konnten ihnen Jagdfähigkeiten verleihen, die die ihrer Nachbarstämme weit übertreffen würden. Ähnlich wie in den Mythologien der Altwelt werden bestimmte Merkmale des Erscheinungsbilds durch Fabeln erklärt. So erzählen die Shawnee beispielsweise, dass der Luchs deswegen ein geflecktes Fell aufweise, weil ihn einst ein Kaninchen überlistete. Nachdem er das Kaninchen gefangen hatte, überzeugte es ihn, zunächst ein Feuer zu entzünden. Als es brannte, streute das Kaninchen dem Luchs die glühenden Kohlen ins Fell und ließ ihn mit dunklen Brandmalen zurück.
Häufig taucht die Figur des Luchses gemeinsam mit der des Koyoten auf. Luchs und Koyote sind in einigen Erzählungen wie beispielsweise der des Nez Perce-Volkes Zwillingsfiguren, die in einem offenen Dualismus Gegensätze repräsentieren, denen eine unterschiedliche Wertigkeit beigemessen wird. Regelmäßig werden die beiden Tiere mit Wind und Nebel assoziiert, zwei Elemente, die in der nordamerikanischen Mythologie ebenfalls als gegensätzlich begriffen werden. In anderen Erzählungen ist dieser Dualismus aufgehoben und beide Figuren sind gleichwertig. Nach Ansicht von Claude Lévi-Strauss ist das Konzept von Zwillingsfiguren, die unterschiedlich wertige Gegensätze repräsentieren, ein inhärentes Thema der Mythologie Amerikas. Dort, wo dies in den Erzählungen der nordamerikanischen Völker nicht mehr auftaucht, ist dies auf einen engen Kontakt mit europäischen Siedlern zurückzuführen, deren Vorstellungswelt diese Form des Dualismus fremd ist. Siedler, die von Europa nach Nordamerika übersiedelten, hatten dort häufig das erste Mal engeren Kontakt mit einer Luchsart. In der Folklore der europäischen Siedler, die sich in Nordamerika niederließen, nahm der für seine Wildheit und Anmut bewunderte Rotluchs sehr schnell eine wichtige Rolle ein.