Stammesgeschichte

Es werden neun Unterarten unterschieden, von denen drei bereits ausgestorben sind:

  • Sibirischer Tiger, Amur- oder Ussuri-Tiger (P. t. altaica); die größte Unterart des Tigers war einst weit über das östliche Sibirien, die Mandschurei und Korea verbreitet; durch massive Nachstellung wurde der Bestand zwischenzeitlich auf etwa 150 Tiere im chinesisch-russischen und chinesisch-koreanischen Grenzgebiet reduziert; dieser Bestand ist inzwischen wieder auf 500 Individuen angewachsen, aber immer noch vom Aussterben bedroht.
  • Südchinesischer Tiger (P. t. amoyensis); einst in großen Teilen China verbreitet, heute leben nur noch etwa vierzig Tiere in den Bergen von Guangdong; mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies die nächste Unterart, die aussterben wird; selbst wenn Schutzmaßnahmen greifen, besteht Sorge, ob eine so kleine Population überhaupt noch überlebensfähig ist (siehe genetischer Flaschenhals). Natürlich wird diese Unterart von der IUCN als „vom Aussterben bedroht“ aufgeführt. Die Population in Zoos und somit ein Zuchtprogramm wurde erst spät aufgebaut und beschränkt sich fast gänzlich auf chinesische Zoos, sodass mit einem Erfolg kaum zu rechnen ist, zumal die Tiere in menschlicher Obhut aus dem bereits genetisch stark eingeschränkten Wildbestand stammen.
  • Bali-Tiger (P. t. balica); diese kleinste Unterart war endemisch auf Bali und wurde durch exzessive Jagd und Habitatzerstörung in den 1940ern ausgerottet.
  • Indochinesischer Tiger (P. t. corbetti); verbreitet auf dem Festland Südostasiens; es gibt 1500 Tiere, die vor allem in Kambodscha und Laos überlebt haben; in den anderen Staaten Südostasiens ist diese Unterart bereits oder fast ausgestorben.
  • Malaysia-Tiger (P. t. jacksoni); auf der malaiischen Halbinsel verbreitet und fast ausgestorben; die Eigenständigkeit dieser Unterart, die vorher zum Indochinesischen Tiger gerechnet wurde, wurde erst 2004 durch Genanalysen nachgewiesen.
  • Sumatra-Tiger (P. t. sumatrae); als einzige Insel-Unterart konnte der Sumatra-Tiger bis heute überleben; es gibt noch 500 Individuen in den Bergen Zentral-Sumatras. Von den lebenden Unterarten ist dies die kleinste. Die IUCN listet sie als „vom Aussterben bedroht“.
  • Java-Tiger (P. t. sondaica); auf Java, der am dichtesten bevölkerten Insel Indonesiens, war diese Unterart verbreitet; der letzte Tiger auf Java wurde 1976 gesehen; seit Beginn der 1980er Jahre gilt diese Unterart daher als ausgestorben. Foto: Museum Wiesbaden
  • Bengaltiger, Indischer Tiger oder Königstiger (P. t. tigris); die zweitgrößte Unterart ist verbreitet in Indien, in Bangladesch und im Westen Myanmars; mit einer Population von 4500 Individuen zwar bedroht, aber weniger gefährdet als die anderen Unterarten; nur beim Bengaltiger gibt es die weiße Morphe. Artenschützer warnten wiederholt vor dem drohenden Aussterben des Indischen Tigers in Indien und den benachbarten Staaten. Trotz eines internationalen Verbots betreiben kriminelle Organisationen einen schwunghaften Handel mit Tigerfellen.
  • Kaspischer Tiger, Persischer Tiger oder Turan-Tiger (P. t. virgata); eine Unterart mit einer ursprünglich extrem weiten Verbreitung von Anatolien über den Iran und Zentralasien bis in die Mongolei; frühzeitig wurde der Kaspische Tiger in weiten Teilen dieses Gebietes ausgerottet; er ist nun sowohl in freier Wildbahn als auch in Gefangenschaft ausgestorben; die letzten hielten sich bis zu Beginn der 1970er Jahre in Südwest-Asien. Neuere molekularbiologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Unterart mit dem Sibirischen Tiger identisch ist und das Verbreitungsgebiet der beiden Populationen möglicherweise erst durch den Menschen getrennt wurde.

Aufgrund der spärlichen Fossilüberlieferung erweist sich die genaue Rekonstruktion der Stammesgeschichte des Tigers als schwierig. Die ältesten Funde einer tigerähnlichen Raubkatze stammen aus China und Java. Sie wurde ursprünglich unter dem Namen Felis palaeosinensis beschrieben. Diese frühe Katzenart lebte am Beginn des Pleistozän, vor etwa 2 Millionen Jahren und war kleiner als heutige Tiger. Frühe echte Tigerfossilien stammen aus Java und sind zwischen 1,6 und 1,8 Millionen Jahre alt. Aus dem frühen und mittleren Pleistozän sind zahlreiche Tigerfunde aus China, Sumatra und Java bekannt. In Indien, dem Altai, dem nördlichen Russland und anderen Gebieten Asiens taucht die Großkatze in der Fossilüberlieferung dagegen erst im späten Pleistozän auf. Der Tiger ist fossil auch aus dem östlichen Beringia (aber nicht vom amerikanischen Kontinent) und auf der Insel Sachalin nachgewiesen, kleine Tigerformen sind darüber hinaus auch aus dem späten Pleistozän Japans bekannt. Noch bis ins Holozän kam er auch auf Borneo vor, wo die Art heute ausgestorben ist.

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