Probleme

Mit hoher Wahrscheinlichkeit gehen die Hunde der Großen Gruppe auf einen Collie (Weibchen), einen Maremmaner Hirtenhund (Rüde) und einen Jagdhund unbekannten Geschlechts (alle unbekannter Herkunft) Mitte der 1990er Jahre zurück. Entgegen der Erwartung, dass sich das Problem der Hunde auf biologischem Wege von alleine lösen würde, passten sich diese Tiere an und konnten sich vermehren. Exakte Geburtenzahlen für diese erste Zeit fehlen, da es keine statistischen Feststellungen gab. Bereits damals fiel das generelle Fehlen der Zutraulichkeit dieser Hunde auf, was sich später auf die Welpen übertragen hat. Hinzu kam, dass die Fellfärbungsvarianten (bis heute sind die Hunde meist zwei- oder sogar dreifarbig gefleckt) und der Zusammenschluss zu Gruppeneinheiten mit der Zeit zu nahmen. Sozialverbände und feste Kernterritorien etablierten sich nach und nach um die Futterstandorte herum und wurden gegen Fremdhunde verteidigt.

Obwohl sich die Hunde rechtlich gesehen in einer Grauzone befinden, wird ihnen doch Vollschutz gewährt und die Jagd auf sie ist wie bei allen Tieren des Naturparks tabu. Das Territorium der Hunde variiert je nach Jahreszeit zwischen 15 und 20 km².

  • Diese Hunde sind offenbar in der Lage außerhalb des menschlichen Einflussbereiches neue Verhaltenstraditionen zu entwickeln und über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten und zu verfeinern.
  • Neben Verhaltenstraditionen, die über das ganze Rudel verteilt sind, gibt es auch solche, die nur von einzelnen Tieren gezeigt werden (z. B. wurde das Beobachten von Singvögeln nur bei zwei Hunden nachgewiesen).
  • Die Hunde haben über Jahre scheinbar ein ausgeklügeltes Verteidigungskonzept entwickelt und wissen die Gegebenheiten ihres Territoriums geschickt zu nutzen (z. B. Wachposten, Rückzug in Buschwerk, Schutz bei Unwetter).
  • Anhand 92 konkreter Beobachtungen konnte dokumentiert werden, dass die Hunde ein räumliches Vorstellungsvermögen von ihrem Revier haben.
  • Die Hunde sind in der Lage sich ebenso wie Wölfe durch Heulen zu verständigen und wieder zu finden.
  • Die Hunde zeigen individuelle Charaktere.
  • Die ältesten Hunde des Rudels waren nicht die Rudelführer.
  • Die Hündin „Eurecia“ war meistens die Leiterin des Rudels.
  • Die meisten Kontakte zwischen den einzelnen Hunden sind sozio-positiver Natur.
  • Die Hunde benutzen zur Welpenaufzucht diverse, qualitativ hochwertige Standorte, wie Altbaumbestände, die seit mindestens 30 Jahren vom Menschen unberührt sind. Höhlen werden dabei (wie bei Wölfen) unter Flachwurzeln angelegt. Daneben werden auch Fuchshöhlen als Welpendomizil genutzt.
  • Das Lernvermögen der Welpen ist scheinbar ungemein ausgeprägt und das Verhalten der Erwachsenen ist den Gegebenheiten der Umwelt angepasst.
  • Alle Welpen bis zum Ende der dritten Lebenswoche in Erdbauten, halten sich in deren Nähe bis zum Ende des dritten Monats auf.
  • Langzeitbeobachtungen Blochs ergaben, dass die meisten Hunde, welche aus dem Rudel entnommen wurden, weder sozial- noch umweltsicher, sondern scheu geblieben sind. Dies trifft auch auf solche Individuen zu, die schon im Alter von ca. acht bis zwölf Wochen von der Mutter getrennt wurden.
  • Zumindest die effiziente Jagd auf Wildkaninchen ist nachgewiesen. Jagderfolge bei Rehen wurden nicht beobachtet.

Die Hündinnen sind zweimal im Jahr läufig und versorgen ihre Welpen hauptsächlich alleine (wobei sie für die Welpen auch Futter hervorwürgen), allerdings konnte ein Fall von Adoption nachgewiesen werden. Zu einer unkontrollierten Vermehrung kam es bisher nicht, der Gesamtreproduktionserfolg war während der bisherigen Beobachtungszeit scheinbar und zwei Fälle von Inzest innerhalb der Großen Gruppe sind nachgewiesen.

Sterblichkeit der Welpen aufgrund der Übertragung von Krankheiten durch Moskitos sehr hoch. Alle untersuchten Hunde litten an der durch Zecken übertragenen Rickettsia aber bildeten Antikörper aus.

Die Hunde sind fähig ein hohes Alter zu erreichen.

Fremdhunde werden aus dem Revier grundsätzlich vertrieben. Eine Hündin aus einer kleineren Gruppe des Parks wurde aber im Laufe der Zeit in das Rudel aufgenommen. Zu Angriffen auf Menschen oder deren Begleithunde kam es während der bisherigen Beobachtungen nie, die Hunde meiden Menschen grundsätzlich, wobei die Fluchtdistanz von Hund zu Hund variiert. Meist blieb es beim Umgang mit Menschen und deren Hunden bei lautstarkem Gebell, einigen Scheinangriffen und Nachtrotten über einen gewissen Zeitraum. Und das auch nur, wenn ein Mensch mit einem Hund unterwegs war, Menschen ohne Hunde wurden gemieden.

Die Studie kann nicht in jedem Fall sichere Ergebnisse liefern, da es viele Faktoren gibt, welche eine lückenlose Auswertung und Erfassung aller Daten erschweren, z. B.:

  • es wurden bereits nachweislich Welpen aus dem Rudel entnommen und das Verschwinden anderer Welpen sowie erwachsener Hunde durch menschliche Einflüsse ist nicht ausgeschlossen
  • genaue Verhaltensbeschreibungen sind aufgrund der üppigen Vegetation nur schwer abzugeben
  • die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb des Rudels sind noch lückenhaft
  • alle bisher beobachteten Fremdhunde ohne Begleitung von Menschen waren Rüden

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Tuscany Dog Project aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.